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Aktualisiert am: Donnerstag, 21 März 2019

Klimawandel: komplexe Herausforderungen für die Landwirtschaft

Peter Lüthi ist in Kommunikation bei der Biovision Foundation for Ecological Development, Zürich

Zürich, Schweiz, Jan 8 2019 (IPS) - Der ungewöhnlich heiße Sommer von 2018 hat gezeigt, dass der Klimawandel einen zentralen Teil unseres Lebens beeinflusst: die Landwirtschaft.

Die schwere Dürre in Liechtenstein führte zu großen Verlusten bei der Heuernte.

In Ländern des Globalen Südens sind die Folgen des Klimawandels bereits viel drastischer. In Afrika zum Beispiel bedrohen extreme Wetterbedingungen die Ernährungssicherheit für Millionen von Menschen.

In den letzten Jahren sind in Ostafrika Dürreperioden in immer kürzeren Abständen aufgetreten, zuletzt bei 2005-6, 2009, 2011, 2014-15 und 2017.

Neben der Dürre werden auch die Bedingungen für die Landwirtschaft aufgrund des allmählichen Temperaturanstiegs, der Versalzung und der sich ändernden Regenzeit zunehmend schwieriger.

Zu den schwerwiegenden Folgen gehören die Verringerung der Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und die zunehmenden Konflikte um das Wasser - sowohl Hindernisse für die Entwicklungschancen der betroffenen Staaten als auch mögliche Auslöser für Migration.

Die Landwirtschaft ist auch die Ursache

Die Landwirtschaft und das Nahrungsmittelsystem sind nicht nur Opfer, sondern auch Ursachen des Klimawandels. Der Begriff „Lebensmittelsystem“ bezieht sich auf den gesamten Lebensmittelkreislauf von der Produktion bis zur Ernte, Lagerung, Verteilung, Verbrauch und Entsorgung.

Dieser Zyklus erzeugt erhebliche Mengen an Treibhausgasemissionen. Paradoxerweise zielt die moderne industrielle Landwirtschaft darauf ab, die Betriebe zu intensivieren, um den durch den Klimawandel verursachten Produktionsausfall auszugleichen.

Die Verwendung von immer mehr fossilen Brennstoffen, synthetischen Düngemitteln und Agrochemikalien erhöht jedoch die Emission klimaschädlicher Gase, anstatt sie zu reduzieren. Die industrialisierte Landwirtschaft verursacht auch zusätzliche Probleme, darunter Abholzung im großen Maßstab, enormen Wasserverbrauch, Bodenverdichtung und -erosion, chemische Umweltverschmutzung und Biodiversitätsverlust.

Dies verschärft die Übernutzung natürlicher Ressourcen und erhöht die Anfälligkeit für den Klimawandel.

Weitermachen wie bisher ist keine Option mehr

„Die industrielle Landwirtschaft ist in eine Sackgasse geraten - es gibt keine Option, wie bisher fortzufahren“, warnt sie Hans Rudolf Herren, Gewinner des Welternährungspreises und langjähriger Präsident der Biovision Foundation.

Der renommierte Agronom und Entomologe fordert die globale Landwirtschaft nachdrücklich auf, biologische, multifunktionale, gesunde und nachhaltige Praktiken einzuführen, die agrarökologische Prinzipien berücksichtigen, anstatt nach höchstmöglichen Erträgen zu streben.

Diese Option wird nun auch von der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) als Antwort auf die zahlreichen Herausforderungen des Klimawandels anerkannt.

Vielfalt erhöht die Widerstandsfähigkeit

Der Klimawandel ist ein komplexes Problem, das verschiedene Faktoren beinhaltet. Dies erfordert ganzheitliche Lösungen. Dazu gehört eine Agrarökologie, die an die örtlichen politischen, sozialen und natürlichen Bedingungen angepasst ist.

Ein wichtiges Prinzip der Agrarökologie ist die Förderung der Vielfalt. Je vielfältiger ein Ökosystem ist, desto flexibler kann es auf Änderungen reagieren, sich von Störungen erholen und sich an neue Bedingungen anpassen.

Diversifizierte Agrarökosysteme nutzen Synergien aus Mischkultur- oder Agroforstsystemen und setzen auf natürliche Düngemittel aus Kompost und Mist.

Agrarökologie vereint traditionelles und neues Wissen. Dazu gehören lokal angepasste und robuste Pflanzensorten und Tierrassen. Effizienzsteigernde Maßnahmen wie Bewässerungssysteme werden immer wichtiger.

Auf gesellschaftlicher Ebene sind faire Handelsbedingungen und Marktzugang für alle Hersteller sowie verantwortungsbewusste Regierungsführung wichtig. Letzteres ist notwendig, um geeignete politische Maßnahmen zu koordinieren und zu verabschieden.

Handeln auf allen Ebenen

Ein Durchbruch für die Prinzipien der Agrarökologie erfordert einen Dialog zwischen allen beteiligten Akteuren. Nur dann kann sich der Kurs der Landwirtschaft in Richtung einer gemeinsamen nachhaltigen Zukunft verändern.

Dies ist das Ziel der Biovision Foundation Advocacy-Team. Zusammen mit einem Bündnis zielgerichteter Organisationen und Staaten gelang es diesen Befürwortern der Agrarökologie, die Nachfrage nach nachhaltiger Landwirtschaft als Teil der 17-Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen in New York in 2015 zu etablieren.

Die Biovision Foundation unterstützt das Erreichen dieser Ziele sowohl für die Landwirtschaft als auch für den Klimaschutz auf drei Ebenen:

Hier bei Biovision konzentrieren wir uns auf die Erhöhung öffentliches Bewusstsein für nachhaltigen Konsum und zur Etablierung eines Netzwerk Nachhaltigkeitsziele umsetzen.

Auf internationaler Ebene ist das Advocacy-Team erörtert die Agrarökologie mit interessierten Ländervertretern, um die Grundsätze der Agrarökologie in der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen zu positionieren.

Im Projekt „Advocacy for Agroecology“ unterstützt Biovision die Länder mit konkreten Handlungsempfehlungen und einem koordinierten politischen Dialog zur Planung klimaschonender agrarökologischer Maßnahmen.

Durch verschiedene Basisprojekte In Afrika hat Biovision verschiedene konkrete Beispiele für die erfolgreiche Anwendung dieser Maßnahmen gezeigt. Die Unterstützung von LED bei der Ausbildung und Information von Kleinbauern ist für Landwirte von entscheidender Bedeutung, um sich auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten zu können.

* Dieser Artikel wurde erstmals in der Zeitschrift "Blickwechsel" veröffentlicht Liechtensteiner Entwicklungsdienst LED.

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